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30.08.2015

Diagnose Hashimoto Thyreoiditis

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an meine Zipperlein aus November 2014. Es fing mit einer übergangenen starken Erkältung Anfang Oktober an. Obwohl ich damals eine Geschäftsreise abgesagt hatte und eine Woche Zuhause blieb, blieb das Gefühl, völlig übermüdet zu sein, welches ich bereits seit November 2013 mit mir herum schleppte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich völlig grundlos 8 kg zugenommen und ich fühlte mich allein aufgrund dieser Tatsache schon ziemlich elendig, weil mir nichts mehr passte. Damals stand ich bei meinem Hausarzt auf der Matte, der trotz Blutbild und den normalen Standarduntersuchungen nichts feststellen konnte.

Im November hatte ich jedenfalls eine Woche Urlaub, weil meine Eltern zur Verwandtschaft nach Sizilien geflogen sind und ich stellte mich auf ein paar schöne Tage mit dem kleinen M. ein, den ich somit auch von der Schule hätte abholen können. Hätte...

Mir ging es jeden Tag schlechter, hatte Herzstolpern und mit jedem Stolperer größere Sorgen, dass mit mir etwas nicht stimmt. Nach wenigen Metern brauchte ich längere Pausen zum Durchschnaufen und Treppen erklomm ich nicht in Sekunden sondern eher gefühlten Stunden. Nachdem mein Hausarzt aber auch diesmal nichts feststellen konnte (oder wollte) und ich einige Tage im Krankenhaus Diez zu Gast war, wo mir der Internist allerdings mitteilte, dass eine meiner Herzklappen vergrößert sei und er einen begründeten Verdacht auf eine Herzmuskelentzündigung hätte, war bei mir alles vorbei. Ich habe geheult wie ein Schlosshund...hatte ich doch immer die jungen, knackigen Fußballer im Hinterkopf, die flink wie die Wiesel über den Fußballlplatz flitzen, um dann kurz darauf mausetot umzufallen.

Der Arzt sagte mir jedoch, dass sich das mit viel Ruhe wieder ausheilen würde und ich solle mich Zuhause hinlegen und mich nicht aus dem Bett bewegen. In dieser Zeit ging es mir sehr schlecht und ich ließ es mir immerhin nicht nehmen, das kleine M. wenigstens morgens zur Schule zu bringen und ihn am Nachmittag abzuholen. Zu mehr reichte auch die Kraft nicht. Die Herzstolperer waren immer noch da, was mir weiterhin Angst machte. In der Zeit hatte ich bereits drei Mal ein Langzeit-EKG anhängen.

Meine Schwester war an einem Wochenendtag dann zu Gast, weil unsere Eltern noch in Sizilien verweilten und ich ihnen verboten hatte, wieder zurück zu kommen. Da das kleine M. zu Besuch bei seinem Vater für eine Nacht war, bot meine Schwester mir an, die Reisetasche gemeinsam mit mir zu ihm zu bringen. Kurz vor einer Kreuzung wurde mir plötzlich übel und ein paar Mal schwarz vor Augen. Dann machte mein Herz einen großen Hopser und ich selbst hätte schwören können, dass danach für Sekunden erst einmal nichts mehr kam, bis ich direkt darauf Herzrasen ohne Ende hatte.

Was folgte, war eine 1A Panikattacke und ich trat das erste Mal in meinem Leben in Berührung damit, ohne dass ich es wusste. Meine Schwester brachte mich ins nächstgelegene Krankenhaus, wo ich durchgecheckt wurde. Von der vermeintlichen Herzmuskelentzündung wich man auch dort nicht ganz ab, wies mich aber darauf hin, dass meine Schilddrüsenwerte total durcheinander seien und man mich noch einmal genauer unter die Lupe nehmen würde.

Nach etwas mehr als einer Woche durfte ich endlich nach Hause mit dem unschönen Wort Hashimoto, mit dem ich bis dato nicht wirklich etwas anfangen konnte. Die restlichen Dinge könne auch mein Hausarzt erledigen. Wohlgemerkt mein Hausarzt, den ich nicht mehr hatte, da ich mich zwischenzeitlich nach einem anderen umgesehen hatte, weil mein Vertrauen gänzlich zerstört war.

Der neue Arzt nahm sich jedenfalls unendlich viel Zeit für mich und meine Anliegen und überprüfte die Schilddrüse nicht nur nochmals anhand der Blutwerte sondern auch per Ultraschall. In der Zeit hatte ich noch einige Male ein Langzeit-EKG umhängen, aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles.

Heraus kam auch hier, dass ich bereits eine "typische Hashimoto"-Schilddrüse hätte, was bedeutet, dass diese in der Umbruchstimmung (die jedoch nicht bei jedem auftritt oder bemerkt wird) von zu viele Hormone auf zu wenige im Körper diverse Unruhen verursachen kann. Nachdem ich mich ein wenig belesen hatte, wusste ich bereits, dass meine Schilddrüse sich durch Hashimoto im Lauf der Zeit komplett auflösen würde, was mir im ersten Moment alles andere als Geheuer war. Die fehlenden Hormone werden jedoch durch Tabletten wieder zugeführt, so dass man damit gut leben kann. Damals war mir dies jedoch alles noch nicht klar. Zusätzlich hatte er einige Knoten entdeckt, die er abgeklärt wissen wollte, wobei Knoten in der Schilddrüse normalerweise selten bedenklich sind.

Mein neuer Hausarzt gab mir für's erste schon einmal eine Ladung L-Thyroxin mit nach Hause, welche ich ab sofort täglich am Morgen vor dem Frühstück nehme. Zusätzlich gab es eine Überweisung in die Radiologie zur genaueren Abklärung.

Da ich - trotz Kassenpatientenstatus - als wichtig galt, musste ich nur wenige Tage warten, bis ich zu Gast in Wiesbaden bei Radiomed war. Auch wenn dort auf den ersten Blick alles hektisch zuging und zahlreiches Personal herumflitzte, erschien mir jeder dort freundliche gesonnen und kompetent. Es ist schließlich gut zu wissen, dass man gut aufgehoben ist. Nun stand also eine Szintigraphie an, von dem ich zuvor auch nie gehört hatte und mir allein beim lesen ein wenig mulmig zu Mute wurde. Hierbei geht es darum, die Jodaufnahme in der Schilddrüse bildlich darzustellen und abzuklären. Die Ängste wurden mir vor Ort allerdings glücklicherweise schnell wieder genommen.

Also bekam ich ein schwach radioaktives Mittelchen (Technetium) gespritzt, um nach zwei Stunden Wartezeit die Aufnahme mit der Gamma-Kamera machen zu können. Die Ärztin erklärte mir zuvor noch, dass es kalte und heiße Knoten gibt und dass nur bei etwa 2 % aller Szintigraphien noch weitere Untersuchungen erfolgen müssen, da die meisten Knoten heiß seien. Als ich das Ergebnis vorgelegt bekam, teilte man mir dann allerdings schnell mit, doch ein MIBI-Szintigramm folgen lassen zu müssen, "nur zur Sicherheit". Einige der Knoten waren also kalt, was bedeuten könnte, dass sich hinter einem davon auch ein bösartiger Knoten verbergen konnte. Meine Laune im Anschluss werde ich sicher nicht erklären müssen.

In der Zwischenzeit und nach 3 Wochen Krankschreibung machte auch mein Chef sich allerhand Gedanken, weil die Herzstolperer derweil nach wie vor da waren und mit im Gepäck nun auch die Panikattacken, die mir fast noch mehr Angst machten. Er suchte mir einen der besten Kardiologen Europas und vereinbarte dort einen Termin für mich. Exakt zwei Tage musste ich nur warten und das, obwohl man selbst bei den Feld-Wald-Wiesen-Kardiologen sonst etliche Monate auf einen Termin warten muss. Ich wurde dort vier Stunden von Kopf bis Fuß untersucht und in diesem Moment als Privatpatientin wurde ich wirklich fürstlich behandelt und es wurden alle möglichen Testungen durchgeführt. Heraus kam zwar, dass eine meiner Herzklappen tatsächlich nicht richtig schließt, was aber zunächst einmal nicht so schlimm ist, da es noch nicht sehr weit fortgeschritten ist. Anzeichen einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) gab es glücklicherweise gar keine. Was mich jedoch damals wirklich zum weinen vor Freude brachte war die Tatsache, dass mein Arbeitgeber diese Untersuchung komplett für mich bezahlt hat.

Das Warten auf den nächsten Termin machte mich mürbe im Kopf und vor allem googelte ich das Verfahren und war vor der nächsten Untersuchung sehr aufgeregt. Das MIBI-Szintigramm dient zur Beurteilung der Stoffwechselaktivität in den einzelnen Knoten und wird durch eine andere radioaktive Flüssigkeit sichtbar gemacht, die man ebenfalls gespritzt bekommt. Im Anschluss werden Schicht-Aufnahmen der Schilddrüse gemacht. Die Wartezeit nach der Spritze betrug hier nicht sehr lange und schon ging es für mich in die Röhre. Die Zeit dort kam mir unendlich vor und die Geräusche machten mich kirre. Nach 45 Minuten war der Spuk vorbei und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Knoten müssen zwar beobachtet werden (dies bekam ich allerdings erst nach einigen Tagen mitgeteilt) und in regelmäßige Abständen kontrolliert werden, aber für's erste war es das.

Was mir jedoch während all dieser Zeit nicht aus dem Kopf ging war die Diagnose Hashimoto Thyreoiditis. Die Autoimmunerkrankung sorgt am Anfang oft für Nervosität, Schlaflosigkeit und Neigung zum Schwitzen, was jedoch für mich wie auch für viele andere Betroffene kein Grund war, einen Arzt aufzusuchen.

Weitere Anzeichen für eine chronische Entzündung der Schilddrüse (Hashimoto Thyreoiditis) können sein:
  • Müdigkeit, allgemeine körperliche Erschöpfung, fehlende Belastbarkeit
  • Konzentrationsschwäche, Gedächtnisschwäche, Wortfindungsstörungen
  • hoher Blutdruck mit Puls unter 70
  • Herzstolpern, Herzrasen
  • Depressive Stimmung, Angst- und Panikattacken, Gereiztheit, selten Suizidgedanken
  • trockene, struppige, stumpfe, und glanzlose Haare
  • Haarausfall
  • teigige trockene Haut, (Myxödem)
  • Verstopfung, Blähungen
  • leichtes Frieren
  • Gewichtszunahme, selten ausgeprägte Gewichtsabnahme
  • Zyklusstörung bei der Frau, unerfüllter Kinderwunsch, Neigung zu Fehlgeburten in der Unterfunktion
  • Abnahme des sexuellen Verlangens
  • nächtliches Kribbeln und Einschlafen von Händen und Unterarmen (Karpaltunnelsyndrom)
  • nachlassendes Hörvermögen
  • apathischer Gesichtsausdruck
  • Wesensveränderungen
  • Ohrgeräusche
  • nächtliches Schwitzen
  • Pigmentflecken im Gesicht, vermehrtes Auftreten von dunklen Flecken am Körper
  • Nackenverspannung, Nackenschmerzen
  • brüchige Fingernägel
  • Lidrandentzündung, Lidödem
  • geschwollene Nasenschleimhaut
Etliches davon habe ich an mir selbst bemerkt, konnte es aber nicht zuordnen und bin auch eher kein Krankheiten-Googler. Es gibt hier Varianten bei denen man nach Einstellung auf Medikamente keinerlei Symptome mehr zeigt und andere, bei denen das ein oder andere noch vorhanden ist. Bei mir sind die Herz-Rhythmus-Störungen zum Glück seltener geworden. Was jedoch geblieben ist sind die Panikattacken (gegen die ich im Notfall auch Medikamente habe, die ich nehmen könnte, aber ungern mache), die Müdigkeits- und Erschöpfungsphasen sowie die teilweise extremen Stimmungsschwankungen und die fast dauerhaft geschwollene Nasenschleimhaut (fühlt sich irgendwie immer nach Allergie an).

Dennoch bin ich nun froh darüber, eine Diagnose zu haben und zu wissen, dass die Krankheit in Schüben kommt, welche ich teilweise auch bemerke, da ich generell ein feinfühliger Mensch mit einem guten Körpergefühl bin. So lange alles aber erst einmal so bleibt wie es jetzt ist, kann ich gut damit leben.

Die Zeit davor glich jedoch einem Spießrutenlauf, weil zunächst keiner so richtig wusste, was mit mir anzufangen ist und teilweise dachte ich irgendwann selbst, ich bilde mir das alles ein, weil niemand etwas finden konnte.

Seid ihr selbst vielleicht auch betroffen oder habt einige dieser Symptome? Lasst euch auf jeden Fall von einem guten Arzt durchchecken! Es gibt eine Menge Lebensqualität wieder zurück. Wenn ihr euch mit mir austauschen möchtet, immer gerne. Entweder hier in den Kommentaren oder auch per E-Mail (findet ihr im Impressum).

12.11.2013

Hallo Service! Kundenservice in zwei Varianten bei Jack Wolfskin und Claire's

Teilweise bin ich wirklich verärgert, wie an manchen Stellen mit Kunden umgegangen wird, ganz unabhängig von der Höhe eines Umsatzes, den man für dieses Unternehmen getätigt hat.

Vergangenen Samstag war ich mit meinem persönlichen Mr. Big (Hallo “Sex and the City Fans) im CentrO Oberhausen shoppen und so kam es auch, dass ich unter anderem für das kleine M. eine Mütze im Jack Wolfskin Store für 17,95 Euro und einen Haarreif sowie einen Nagellack bei Claire’s im Wert von 13,95 Euro kaufte und beides jeweils mit EC-Karte bezahlte.

Heute schaue ich auf meine Kontoauszug und oh Schreck: diese beiden Geschäften haben den Zahlbetrag jeweils gleich zwei Mal abgebucht. Ok, kann passieren, auch wenn es mich ärgert, dass es bei gleich zwei Geschäften passiert ist. Leider kann ich nicht mal eben schnell dort vorbeifahren, weil es ca. 200 km von meinem Wohnort weg ist.Und jetzt der Unterschied der beiden Läden:

Zunächste habe ich beim Jack Wolfskin Store angerufen und mein Anliegen beschrieben. Die Verkäuferin entschuldigte sich gleich mehrmals und ging sehr freundlich auf mein Anliegen ein und bat darum, mir die Belege per E-Mail mit meinen Kontaktdaten zukommen zu lassen, damit sich sich umgehend um eine Rücküberweisung über das Unternehmen für die Zahlungsabwicklung kümmern könnte. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt und hoffe, dass ich hier baldmöglichst eine Info erhalte zur Rückabwicklung.

Im nächsten Atemzug dann bei Claire’s angerufen, die bereits im Laden selbst nicht sehr freundlich waren. Wie vermutlich jeden Samstag war dort viel los und ich wollte gerne mit Karte zahlen. Die Bezahlvorgänge wurden jedoch nach ewig langem warten drei Mal abgebrochen und die Verkäuferin sagte dann recht laut: “Tut mir leid, Ihre Karte geht nicht. Vielleicht mal gucken, ob sie gedeckt ist.” Hallo? Ich gehe sicher nicht shoppen, wenn ich weiß, dass ich kein Geld auf dem Konto habe. Wie dem auch sei, habe ich ihr dann ebenso laut gesagt, dass ich darum bitte, es ein weiteres Mal zu probieren, da meine Karte in den anderen Geschäften auch tadellos funktioniert hat und ich definitiv weiß, dass ich über die Mittel verfüge, um 13,95 Euro mit EC-Karte zu zahlen. Beim vierten Mal klappte es dann auch wie erwartet. Ich wurde mit einem knappen “Tschuldigung und Tschüss.” verabschiedet.

In etwa ähnlich freundlich war dann auch das Telefongespräch mit der Dame, deren Namen ich mir eben habe geben lassen, denn dort wollte und/oder konnte man weder mit meinen Belegen noch mit meinem Anliegen etwas anfangen und sagte mir, dass ich eben vorbeikommen müsse. Ich habe geduldig erklärt (und das vermutlich 28 Mal), dass ich wegen 13,95 Euro nicht mal eben 400 km fahren werde, weil das einfach keinen Sinn macht) und dass ich um ihre Hilfe bitte, dies zu klären.

Die Dame am Telefon bat mir jedoch nur diese eine Möglichkeit an, nämlich vorbei zu kommen und den Artikel mitzubringen, da er aus- und wieder neu eingebucht werden müsse. Eine andere Möglichkeit habe man nicht und demnach müsste ich dann wohl damit leben. Das war dann mein Einsatz, denn wenn ich eines nicht leiden kann dann ist es die Tatsache, dass man jemanden im Regen stehen lässt bei einer Sache, wofür man als Kunde nichts kann. Ich bin sonst ein Mensch, der wirklich respektvoll mit anderen umgeht, aber ich habe dieser unflexiblen und unfreundlichen Arbeitskraft dann meine drei Takte zu dieser Aussage mitgeteilt und mir ihren Namen geben lassen, woraufhin sie dann plötzlich doch mal schauen wollte, ob sie etwas für mich tun kann und nach meiner Telefonnummer gefragt hat und mich zurückrufen wolle. Ich bin nun gespannt, ob und vor allem was passiert.

Ansonsten klingel ich da morgen wieder durch. Ich werde von 13,95 Euro zwar nicht wesentlich ärmer, aber es kann meiner Meinung nach einfach nicht sein, dass ich für etwas doppelt zahlen soll, was ich aber nur einmal gekauft habe.

Und so sieht man auch ganz gravierend die Unterschiede im Umgang mit Kunden, wenn mal ein Problem auftritt. Gerade in diesem Fall habe ich ja den direkten Vergleich.

Hattet ihr schon mal so was in der Art und wurde das Problem zu eurer Zufriedenheit gelöst?

08.10.2013

Der Schandfleck von Limburg

Ihr habt Limburg an der Lahn mit dem beschaulichen Dom noch vom alten 1000 DM Schein im Gedächtnis? Dann vergesst ganz schnell dieses idyllische Bild. Ich bin in Limburg aufgewachsen und wohne auch jetzt nicht weit weg und fühle mich der kleinen Stadt an der Lahn noch immer sehr verbunden, fahre morgens und abends regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit durch und auch an den Wochenenden trifft man mich dort des öfteren an.

Gerade macht die Stadt aber nicht im positiven Sinne von sich reden, denn Limburg31 ist das neue Stuttgart21. Wer noch nicht genau weiß, worum es geht, wird die letzten Wochen vielleicht verschlafen haben, denn der Limburger Bischof Tebartz-van Elst hat es geschafft, mit seinem Amtsantritt das bischöfliche Häuschen, pardon die Residenz am Dom für sage und schreibe 31 Millionen Euro restaurieren lassen zu wollen bzw. sind die Arbeiten ja seit geraumer Zeit in vollem Gange. Der Vermögensverwaltungsrat, der die Ausgaben des bischöflichen Stuhls beaufsichtigt, gab an, hinters Licht geführt worden zu sein...was letzten Endes unterm Strich bei allem heraus kommt, wird sich zeigen. Haushaltspläne für 2012 und 2013 scheinen nicht vorgelegt worden zu sein...

Geplant waren wohl ursprünglich “nur” 3 Millionen zur Restaurierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Der alte Bischof hat sicher auch nicht abgedankt, weil das Häuschen gegenüber des Doms so hässlich war.

Angefangen hat das Desaster allerdings erst, als ein Spiegel Reporter beim Luxus-Bischof nachfragte, was es mit einer Indien-Reise auf sich hatte, bei der er und ein Vikar Waisenkinder besuchten, dafür allerdings einen First Class Flug nutzten und dann nahm das Unheil seinen Lauf…

Nicht umsonst war jedenfalls Besuch aus dem Vatikan erst im September in Limburg zu Besuch, rein brüderlich natürlich. Aber inzwischen hoffentlich nicht mehr ohne Konsequenzen.

Wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, dass von Demut und Barmherzigkeit gepredigt wird, der Herr Bischof sich allerdings feiern lässt wie einen Popstar mit Chauffeur, Prunk und Protz, fallen mir im gleichen Atemzug doch unendlich viele Dinge ein, die man wesentlich sinnvoller mit Geld füttern könnte. Aber wer um Himmels Willen braucht eine Residenz für 31 Millionen Euro gegenüber von seinem Arbeitsplatz?

Wenn man schon so viel Geld raushaut, warum dann nicht gleich für etwas sinnvolles? Wie vielen Menschen könnte man wohl für 31 Millionen Euro (das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen) Essen kaufen?

Ich bin ja niemand, der Menschen dafür verurteilt, wenn sie sich aus eigener Kraft etwas aufgebaut haben und meinetwegen heute Millionen verdienen. Aber Gelder für eine Residenz zu verbraten, die einem eigentlich gar nicht gehören, ist in meinen Augen ein absolutes No-Go, sind doch darin auch Gelder enthalten, die jedes gläubige Schäfchen Monat für Monat Betrag x vom Gehalt direkt an die Kirche abfließen lässt. Moralisch also absolut verwerflich.

Herr Tebartz-van Elst, schämen Sie sich und besinnen sich darauf, weshalb Sie eigentlich diesen “Job” im Namen Ihres Oberbosses da oben angenommen haben! Ich habe das Fremdschämen nämlich langsam satt!

27.09.2013

Das Barilla Debakel

Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass ich Italienerin durch und durch (vom Temperament her zumindest, bissl Deutsch bin ich ja auch) bin und mich nicht für irgendetwas schäme. Weder dafür, dass mein Vater damals vor 35 Jahren mit seinen Eltern als Gastarbeiter nach Deutschland kam, noch dafür, dass er auch nach der langen Zeit nicht akzentfrei Deutsch spricht. In der Schule war das damals manchmal schon ein Problem, weil viele Väter und/oder Mütter meiner Klassenkameradinnen (Kameraden hatte ich auf dem katholischen Nonnen-Mädchengymnasium keine) Ärzte, Anwälte waren oder Managerposten inne hatten, während mein Vater eben auf dem Bau arbeitete. Aber er war und ist immer fleißig und macht inzwischen viele Sachen, die andere nicht können und sieht sich in Teilen als Künstler, weil er Kunden ganze Kunstwerke an die Wände zaubert. Dies reicht aber an Infos über mich, würde ich sagen ;-) Was mich wirklich immer wieder aufs Neue erschreckt und verärgert ist die Tatsache, dass es immer noch so viele Menschen in höheren Positionen gibt, die so intolerant sind, dass sie ihre eigene private Meinung vor die eines großen Namens stellen und diesen gleich mit in den Dreck ziehen. In diesem Fall hat dies ein Vorsitzender des Nudelkonzerns Barilla, welches 1877 gegründet wurde getan, nämlich Guido Barilla. Traditionen hin oder her, man sollte sich auch weiter entwickeln oder aber zumindest in der Öffentlichkeit den Mund halten, wenn man eine Meinung vertritt, die so engstirnig ist. Den Satz "Wir werden keine Werbung mit Homosexuellen schalten, weil wir die traditionelle Familie unterstützen. Wenn Homosexuellen das nicht gefällt, können sie Pasta eines anderen Herstellers essen", haute der gute Herr bei einem Interview mit dem italienischen Sender Radio24 raus. Ein Satz, der einen in der heutigen Zeit nur fassungslos macht und den Kopf schütteln lässt. Ich weiß, wie traditionell viele Italiener in ihrer Denkweise nach wie vor sind, dennoch sollte man sich solche Ausreißer doch besser verkneifen. Keiner zwingt Barilla, Werbung MIT homosexuellen Paaren oder Familien in anderer als der hinlänglich bekannten Konstellation zu machen. Das mache andere Firmen auch nicht zwingend. Aber so explizit etwas zu sagen, was ziemlich sicher einen Shitstorm nach sich zieht, ist weder durchdacht noch in Ordnung sondern einfach nur dumm. Glücklicherweise haben sich daraufhin auch gleich italienische Blogger zusammengetan und zu einem Barilla Boykott aufgerufen, der inzwischen ganz hübsche Kreise gezogen hat. Ich bin sicher niemand, der sich als Obermoralapostel aufspielt und ich nutze und konsumiere Produkte, die sicher nicht immer mit allem konform gehen, was man bemängeln könnte, oft aber ganz einfach, weil man es vielleicht nicht besser weiß oder vielleicht auch, weil man in einigen Dingen zu bequem ist. Aber im Jahr 2013 eine nicht aus nur drei Leuten bestehende Gruppe so in der Öffentlichkeit zu diffamieren geht einfach mal gar nicht, Italiener und Traditionsunternehmen hin oder her! Eine öffentliche Entschuldigung hat inzwischen zwar stattgefunden, aber wie bereits gesagt, kann sich ja jeder glücklicherweise selbst für oder gegen eine Nudelmarke entscheiden... Hier ist das Statement von Barilla:
"Liebe Community,
nachfolgend das offizielle Statement von Guido Barilla zu den Geschehnissen seit gestern:

"Bei allen Menschen, die ich mit meinen Worten verletzt habe, einschließlich der vielen Tausend Angestellten und Partner, die für und mit Barilla überall auf der Welt zusammenarbeiten, möchte ich mich für meine unsensiblen Äußerungen in aller Form entschuldigen. Mir ist bewusst, dass ich Menschen damit verletzt habe, und sie stellen nicht meine wirklichen Ansichten dar.

Zum Zwecke der Aufklärung würde ich gerne darauf hinweisen, dass

- ich jedem Menschen mit dem allergrößten Respekt begegne, ohne dabei irgendeine Unterscheidung vorzunehmen.

- ich Homosexuellen mit dem größten Respekt begegne und das Recht eines Jeden auf freie Meinungsäußerung respektiere.
- ich alle liebevollen Formen der Ehe und Familie zutiefst respektiere.
Wir bei Barilla betrachten es als unsere Mission, unseren Kunden und Partnern wie unseren Nachbarn - mit Liebe und Respekt - zu begegnen und die bestmöglichen Produkte zu liefern. Wir nehmen diese Verantwortung ernst und betrachten sie als das Herzstück unserer Existenz als Familienunternehmen. Obgleich ich meine vor kurzem gemachten Bemerkungen nicht rückgängig machen kann, so kann ich doch um Verzeihung bitten. Ich möchte mich bei allen Freunden, Familien, Mitarbeitern und Partnern, die ich verletzt oder beleidigt habe, aus tiefstem Herzen entschuldigen."

Guido Barilla"

28.08.2013

Gewalt hinter verschlossenen Türen

In den gängigen Gazetten war heute von Shermine Sharivar und ihrem angeblich gewalttätig gewordenen Gatten zu lesen und dass sie nach einem Schlag wie einem Schubser hingefallen sei, im Hintergrund wohl das erst drei Wochen alte Töchterchen. Wie viel Wahrheitsgehalt dieser Geschichte beizumessen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Sehr wohl kann ich aber selbst ein paar warme Worte dazu beitragen. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich über solche unschönen Dinge nicht gerne schreibe und mir mein eigenes buntes und fröhliches Wesen bewahren will, denn das sind Zeiten, die glücklicherweise hinter mir liegen und die ich ungerne wieder aufleben möchte. Was ich aber definitiv nach wie vor so vertrete ist, dass man sich in der Richtung nichts, aber auch gar nichts gefallen lassen sollte! Weder mit Worten soll man sich (und dabei spielt es keine Rolle, wer die Täter- und wer die Opferrolle einnimmt in einem Schauspiel, bei dem es nur Verlierer geben kann, gerade wenn Kinder mit im Spiel sind) klein machen lassen noch mit Handgreiflichkeiten, egal ob es “nur” ein kleiner Ausrutscher gewesen sein mag oder an Regelmäßigkeit gewinnt. Ich weiß, dass das Thema eigentlich viel zu komplex ist, als es mit wenigen Worten auszudrücken. Nicht immer sieht man selbst direkt Mittel und Wege, aber die gibt es definitiv! Aber was genau kann man tun, wenn man nicht weiter weiß und häusliche Gewalt erfährt?
- Wendet euch an Freunde/Verwandte und bittet sie um Hilfe
- Sucht euch das nächstgelegene Frauenhaus 
- Erstattet Anzeige bei der Polizei (und nehmt sie keinesfalls wieder zurück!) und erwirkt per gerichtlichem Beschluss ein Kontakt- und Näherungsverbot. Das verschafft euch etwas Ruhe und Zeit zum nachdenken und neu sortieren eures Lebens.

Ich habe damals durch Freunde und Familie wie auch durch das örtliche Frauenhaus und die örtlich gelegene Polizeitdienststelle sehr gute Erfahrungen mitnehmen dürfen, ich wurde ernst genommen und selbst von höheren Stellen immer wieder mit Kontrollanrufen begleitet, was ich zunächst nicht annähernd erwartet hatte und ich wurde auch noch Wochen und Monate hinterher immer mal wieder angerufen und gefragt, wie es mir gehe und ob alles in Ordnung sei. Kurzum: ich habe mein Leben 2008 nach dem letzten Vorfall innerhalb von 2 Tagen völlig neu geordnet, ein neues Bankkonto eröffnet, alle Versicherungen entsprechend geändert, Lastschriftaufträge und Daueraufträge gekündigt bzw. geändert und vor allem geschaut, dass ich das Kontakt- und Näherungsverbot nicht gefährde (sobald man auf Kontaktversuche reagiert, erlischt dieses nämlich), im Kindergarten Bescheid gegeben, dass das Kind nicht von jemand anderem außer mir oder den hinterlegten Personen geholt werden darf und natürlich auf der Arbeit Bescheid gegeben, auch wenn mir das fast einer der unangenehmsten Teile war. Und falls ihr im Bekannte- oder Freundes-/Verwandtenkreis etwas in der Art mitbekommt, seht nicht weg! Wenn ihr Fragen habt, fragt ruhig, ich beiße auf Nachfragen nicht, auch nicht, wenn ihr diese per E-Mail stellen wollt oder selbst nicht weiter wisst und dies nicht öffentlich in den Kommentaren schreiben möchtet.

15.07.2013

Ersguterjunge? Ts...

Menschen mit 364.686 Twitter Followern, 1.011.891 Facebook Fans und de nein oder anderen verkauften Alben müssen tolle Menschen sein. Fleißig und vorbildlich. Nun ja, sollte man zumindest meinen. Das fleißig sein möchte ich Bushido auch gar nicht absprechen, aber zu welchem Preis dieser Hass gegen Frauen, Homosexuelle, Politiker? Natürlich: ein paar Milliönchen mehr auf dem Konto und kostenlose PR (ich weiß, ich bin gerade nicht besser, sehe mich aber nicht annähernd in ähnlicher Position wie die großen Postillen und bin daher unbedeutend für die Meinung der breiten Masse. Sehr wohl habe ich aber meine eigene).

Was ich jedoch viel schlimmer finde ist die Tatsache, dass dieser Mensch allen Ernstes einen Bambi für Integration erhalten hat, was ich damals schon mehr als falsch fand. Und egal, an welcher Stelle ich etwas von ihm lese oder höre, es wird nicht richtiger. By the way: warum hat man nicht wie in den Jahren zuvor auf der Facebook Seite des Bambi dokumentiert, wer da ein goldenes Rehlein erhalten hat? Wie kann man so derbe unter der Gürtellinie auf andere losgehen und andere mit regelmäßigen Retweets quasi zur verbalen Lynchjustiz aufrufen? Muss man sich bei kritischen Worten von seinen Anhängern als N*tte und dergleichen beschimpfen lassen?

Stein des Anstoßes für mich heute war ein Brief von Herrn Wagner, den ich - wie manche bereits wissen - eigentlich nicht viel sympathischer finde als Bushido. Dieser hat mir aber heute morgen fast in jedem Satz aus der Seele gesprochen mit seinem offenen Brief.

Ich erinnere mich noch an einen TV-Auftritt von Blogaufhänger, den eine 16-Jährige bei Twitter kritisch kommentiert hat, was eine große Hater-Welle nach sich zog, weil Bushido höchstpersönlich den Tweet in seine TL jagte. Come on, really? Ander “Künstler” nehmen Kritik hin, wenn sie wissen, dass sie polarisieren. Das bringt das Geschäft wohl mit sich, wenn man kein braver Junge ist.

Es hagelte öffentlich Kritik seitens einiger mehr oder weniger prominenten Kollegen, Herr Wowereit hat Strafanzeige gestellt und er schießt natürlich nur mit Worten auf Claudia Roth. Selbstverständlich mit Worten, alles andere wäre auch etwas sehr offensichtlich.

Musik auf dem Index gab es schon immer, ist also nichts neues, aber macht es die Sache besser, wenn (noch) formbare Menschen nicht zwischen Wort und Tat unterscheiden (können)?

Mir scheint, der werte Herr sonnt sich förmlich in der Lemminghaftigkeit seiner Fans, die vermutlich für ihn über die Klippe springen würden, wenn sie denn müssten. Ohne wenn und aber...

03.07.2013

Warum schlägt das Schicksal manchmal so erbittert zu?

Es gibt Momente im Leben, da wird alles andere um einen herum unwichtig. Soeben hat mich die Realität wieder. Eine Nachbarin, die wir schon lange ganz gut kennen aus einer der umliegenden Straßen ist im Alter von 42 Jahren an Brustkrebs gestorben. Und das, wo ihre Tochter, die genauso alt ist wie mein Sohn und mit ihm im Kindergarten und zur Schule gegangen ist, gerade mit Leukämie zu kämpfen hat. Ich bin völlig fassungslos...und bete für die Kleine, dass sie es schafft, wenn ihre Mama aus dem Himmel auf sie herabschaut.

14.06.2013

Schlaflose Nächte, die keiner braucht

Prinzipiell habe ich nichts gegen schlaflose Nächte, wenn sie denn einen schönen Hintergrund haben. Durchzechte Partynächte mit Freundinnen sind zwar eher die Ausnahme geworden und den Pflichten gewichen, aber ab und an habe ich nichts dagegen einzuwenden.

Meine gestrige schlaflose Nacht hatte jedoch einen weniger rühmlichen Grund, denn das kleine M. hatte einen heftigen Pseudo-Krupp Anfall. Für alle die, die nicht wissen, was das ist: Pseudo-Krupp ist eine Entzündung der Atemwege im Kehlkopfbereich, die meistens unvermittelt und bei meinem Sohn zumindest ohne größere vorherige Anzeichen bis auf Erkältungssymptome auftritt.

Im Zuge einer Erkältung schwillen die Schleimhäute so an, dass sich die Atemwege verengen, was dazu führt, dass Kinder zunächst eine heisere, belegte Stimme bekommen und später auch Atemnot.

Das aus meiner Laiensicht an Infos für euch. Aus Mamasicht sieht das schon wieder anders aus und nicht so furchtbar sachlich. Mein kleines M. jedenfalls hat Pseudo-Krupp bereits seit seinem 4. Lebensmonat und wir waren damals leider des öfteren mal im Krankenhaus zu Gast deswegen, weil es bei Babys mit der Atemnot eben häufiger beobachtet werden muss. Das Ganze soll sich aber laut Allgemeinheitstenor bis etwa zum Alter von 6 Jahren verwachsen und dann ist Ruhe.

Eigentlich. Mit seinen nun fast 8 Jahren allerdings hat das kleine M. leider noch immer damit zu kämpfen, meistens zu Beginn einer Erkältungsphase. Montag fing es mit einer stinknormalen Erkältung an, Dienstags war ich geschäftlich unterwegs und kam erst am Abend nach Hause, hab den jungen Mann bei Oma und Opa abgeholt und ab ging es nach Hause. In der Nacht dann die ersten Anzeichen und eine belegte Stimme beim Husten und der typische roboterartige Husten. Er zieht dann immer nach Luft und als erste Maßnahmen öffne ich die Fenster, um Luft hereinzulassen oder gehe mit ihm ins Badezimmer und drehe den Wasserhahn auf und stelle auf heißes Wasser ein, weil der Wasserdampf auch helfen kann. Zudem haben wir einen Pari-Boy, mit dem er Kochsalzlösung inhalieren kann, gemeinsam mit Berodual und einem Cortisonspray.

Wenn das alles nichts hilft, gibt es noch Rectodelt, ein Cortisonzäpfchen, welches etwa nach 20 Minuten wirkt und die Möglichkeit, Adrenalin zu geben, welches aber üblicherweise nicht für den Hausgebrauch herausgegeben wird.

Das kleine Kerlchen konnte also nicht zur Schule gehen und hatte tagsüber noch heftigen Husten, der zwar trocken klang, aber nicht bedrohlich.

Gestern Nacht um kurz nach 2 Uhr bin ich dann wach geworden, weil ich ein lautes pfeifendes Schnarchen gehört habe, von dem ich zunächst annahm, dass es der Hund sei, der einfach nur wieder kopfüber irgendwo runterhängt und solche gruseligen Töne von sich gibt. Nach dem Licht einschalten dann mit einem Schrecken festgestellt, dass es der Sohn ist. Ich habe dann das Fenster im Schlafzimmer geöffnet, das Inhalationsgerät vorbereitet und ihn vorsichtig aufgeweckt, damit ich sehen konnte, wie es ihm geht. Sprechen ging gar nicht und als er realisierte, dass kein Ton herauskam und er sich selbst darüber erschrocken hat, fing er wieder ganz doll an zu husten und zog nach Luft.

Als es durch inhalieren nach einigen Minuten eher schlimmer als besser wurde, habe ich mich dann kurzerhand durch den Mamainstinkt dazu entschieden, den Notarzt zu rufen.

Diese kamen dann auch nach 15 Minuten, in denen ich voll Sorge versucht habe, äußerlich zu ruhig zu bleiben, um das kleine M. nicht noch unnötig verrückt zu machen und um ihm die Angst zu nehmen. Es wurde die Sauerstoffsättigung gemessen, gefragt was passiert sei etc. Dann gab es ein Cortison-Zäpfchen und eine Ladung Adrenalin und nach etwa einer Stunde, als er wieder soweit stabilisiert und ansprechbar war, hat man entschieden, ihn nicht stationär aufzunehmen sondern Zuhause zu lassen, so dass er sich ausruhen kann. Er schlief dann auch irgendwann total erschöpft ein, während ich ihn immer wieder beruhigt habe, dass er keine Angst mehr haben muss.

Das ich hinterher total fertig, weinend im Bett saß und kein Auge mehr zubekommen habe, muss ich wohl nicht extra erwähnen...

Heute waren wir dann nochmal beim Kinderarzt, der Lunge und Bronchien abgehört hat, die aber zum Glück frei waren. Ich hoffe dann mal auf eine ruhige Nacht heute...

25.05.2013

ADHS - Kinder, die 'anders' sind

Die meisten, die mich nicht persönlich kennen und im Blog hier lesen, werden meine ernste Seite nicht so sehr kennen, da ich allzu private Dinge nicht öffentlich irgendwo hinschreibe. Wenn ich also blogge, geht’s mir gut. 2008 als Blogjahr können wir also getrost vergessen (Trennung vom Ex-Mann) ;-)

Seit etwas mehr als zwei Jahren tingele ich mit dem kleinen M. von A nach B, weil nahezu jeder Pädagoge (Kindergarten/Schulen) sagt, dass er sich nicht sonderlich gut konzentrieren kann, sehr zappelig ist, unvermittelt vom Stuhl aufsteht und mal eben spazieren geht. Das ich das alles andere als toll finde, dürfte klar sein. Im Kindergarten wurde ich das erste Mal darauf aufmerksam gemacht und ich stellte - in dem Gedanken, dass er einfach etwas lebhafter ist - ihn unserem Kinderarzt vor, der sich zusätzlich auch noch eine zweite Meinung holte bei einem Termin, der der Entwicklungsdiagnostik diente. Beide meinten, das kleine M. sei eben nur ein besonders lebhaftes Kerlchen und gut war es dann für mich.

Dass das Thema in der Schule dann nochmal ganz neu aufgerollt werden würde, hätte ich eigentlich nicht erwartet. Anfangs dachte ich noch, er muss einfach “nur” noch lernen, still sitzen zu bleiben und den Schnabel zu halten. Nun ja, weit gefehlt, es zog doch recht große Kreise und da er in der alten Schule die meiste Zeit von seiner - meiner Meinung nach - völlig überforderten Lehrerin vor die Tür gestellt wurde (Hallo Verletzung der Aufsichtspflicht) und schon Abends kaum einschlafen konnte aus Angst vor dem nächsten Tag, habe ich mich im letzten Jahr entschieden, ihn auf eine andere Schule zu schicken und habe mich mit Alternativen auseinandergesetzt, die ihm vielleicht gut tun könnten. Für seine erste Lehrerin war von Anfang an (ok, nach 2 Monaten Schule, wir wollen mal nicht so kleinlich sein) klar, dass das kleine M. “ein ADS-Kind” sei. Stempel drauf, gut ist. Sätze seitens meines Sohnes wie “Mama, warum gehe ich überhaupt zur Schule? Ich stehe da doch eh immer nur vor der Tür.” möchte keine Mutter hören und es tut weh, sein Kind so tieftraurig zu sehen.

Da ich meinem Sohn helfen wollte, fingen da dann auch die Arztbesuche an. Einer sagte, es sei alles normal und würde sich noch verwachsen. Der nächste fand es beobachtungswürdig. Unser Kinderarzt überwies uns schließlich zu einer VITOS Klinik, um eine Diagnostik anzustreben und alle Eventualitäten abzuklären. Gesagt getan, 2 Stunden durch halb Deutschland telefoniert, von Pontius zu Pilatus weitergeleitet und geschickt worden, weil man sich entweder nicht zuständig fühlte oder kurzfrist gkeine Termine mehr frei waren.

Irgendwann landete ich beim telefonieren dann bei der VITOS Klinik in Hachenburg, bei denen es “nur” eine Wartezeit von 4 Monaten gab. Da frage ich mich doch, ob halb Deutschland seine Kinder zu Psycho-Docs schickt und ob es wirklich so viele problembehaftete Kinder gibt?

In der Zeit rief mich die Lehrerin der alten Schule nahezu täglich an und terrorisierte mich förmlich mit Informationen wie “Ihr Sohn ist heute 3,5 x auf dem Stuhl herumgerutscht, hat 4 x reingerufen und 6 x mit seinem Nachbarn gesprochen.”

Als wir dann endlich unseren ersten Termin in der VITOS Klinik hatten war ich megaaufgeregt, ging es doch ggf. um die Zukunft meines Kindes und die eventuelle Diagnose einer meiner Meinung nach zur Volkskrankheit für “Kinder, die nicht dem Standard entsprechen” verkommenen Geschichte. Danach folgten noch etliche weitere Termine. Die etwas mehr als einstündige Fahrt pro Tour haben wir uns immer mit kleinen Spielchen vertrieben, damit es nicht so arg langweilig für den Junior wurde.

Lange Rede, gar kein Sinn, auf das Ergebnis der Auswertungen haben wir 12 (!!!) Monate gewartet, nachdem ich immer und immer wieder vertröstet wurde, dass die Unterlagen noch ausgewertet werden müssten. Irgendwann als es mir zu bunt wurde und ich energischer wurde beim Nachfragen, gestand man dann ein, dass die Therapeutin, die das kleine M. angesehen und die Spiele/Fragen/Testungen durchgeführt hat, nicht mehr an der VITOS Klinik tätig sei und mein Sohn wohl einer ihrer letzten Patienten war. Fazit: Die gute hat vor ihrem Abgang KEINE Auswertung ihrer Untersuchungen angefertigt, d.h. wir sind im Prinzip völlig umsonst monatelang dort hingefahren und die Wartezeit davor war eben auch für nichts.

Letzten Endes habe ich einen Abschlussbericht von der Oberärztin erhalten, die meinen Sohn nicht auch nur einmal selbst zu Gesicht bekommen hat und sich an den scheinbar recht spärlichen Informationen bedient hat und uns einen 08/15 Bericht geschrieben hat. Auf den IQ-Wert, der laut der Therapeutin damals mit 138 zumindest nicht bei dem eines Toast-Brotes lag, ist man null eingegangen (heißt für mich aber wenigstens, dass mein Kind nicht blöd ist, wovon ich zwar nicht ausgegangen bin, aber man weiß ja nie...nein, Spaß beiseite).

Nach dem Schulwechsel letztes Jahr im August zu einer Waldorfschule (dazu in einem anderen Posting mehr, denn Waldorf bedeutet mehr, als singen, klatschen, tanzen, so wie es in den Köpfen vieler umherschwirrt), hatte sich das Problem natürlich nicht gelegt und inzwischen sind wir bei einer INPP-Therapie angekommen (auch das muss ich nochmal separat aufgreifen, glaube ich, weil es hier in einem Posting sonst zu viel wird), Ergotherapie seit kurzem und der zweite Anlauf in Sachen Diagnostik ist genommen. Gestern war der Termin zum EEG. Auf das Ergebnis davon müssen wir nun noch ca. 1 Woche warten, dann geht es an Blutabnahmen etc.

To be continued...

Habt ihr Erfahrungen in der Richtung gemacht/machen müssen und wie lief bei euch alles ab bzw. in welchem Zeitraum und konnte dem Kind geholfen werden?

11.04.2013

Wenn Kinder in der Öffentlichkeit bloßgestellt werden


Was früher die lustigen Homevideos bei “Bitte lächeln” waren, sind heute die millionenfach geteilten witzigen, lustig gemeinten oder pseudowitzigen YouTube Videos oder einfach Fotos, auf denen die eigenen Kinder zur Lachnummer gemacht werden und diese dann in sozialen Netzwerken zigfach geteilt werden. Die Eltern mögen es im besten Fall einfach nur lustig gemeint haben. Das jedoch viele den viralen Effekt solcher Dinge unterschätzen, wenn sich so etwas im Netz selbständig macht, finde ich hingegen sehr bedenklich.


Jüngstes Beispiel ist in meinen Augen ein Blog (den ich hier aber nicht nennen möchte, um nicht noch mehr Besucher auf die Seite zu schleusen), auf dem ein Vater seinen zweijährigen Sohn auf allen Bildern nur weinend zeigt und diese mit vermeintlich witzigen Kommentaren versieht. Mir ist klar, dass Kinder immer und überall weinen können, wenn die Welt gerade ein wenig unschöner für sie geworden ist (sei es, wenn es vor dem Essen keine Süßigkeiten gibt, der kleine Fratz hingefallen ist oder warum auch sonst noch. Gründe gibt es schließlich in der kleinen Kinderwelt genügend, das weiß ich aus eigener Erfahrung.)

Ich finde aber weder Blogs noch Videos mit Kindern, die in Narkose wirre Dinge von sich geben oder Videos, bei denen man Kindern erzählt, man hätte all ihre Halloween Süßigkeiten aufgegessen und diese dann an einen TV-Sender schickt, der die gesammelten Werke ausstrahlt, besonders witzig sondern beschämend.

Natürlich habe ich auch von meinem Sohn völlig verrückte und lustige Videos, die ich am liebsten der ganzen Welt zeigen würde (schließlich hab ich ja auch den verrücktesten, lustigsten, tollsten und besten Sohn der Welt...wie jede Mama eben ;-) ), aber ich käme nie auf die Idee, ihn in einer für ihn jetzt oder später beschämenden Situation mit dem Rest des Universums zu teilen. Das Internet vergisst schließlich nichts, manche Eltern geben aber scheinbar ihr Hirn an der Garderobe ab, sobald sich ihnen eine bietet und sie ihre Kinder für 3 Sekunden Ruhm an die Netzwelt verkaufen.

Wie seht ihr das? Völlig übertrieben von mir oder habt ihr eine ähnliche Sichtweise?

05.04.2013

Unser Romeo wird NICHT MEHR vermisst! DANKE!

UPDATE: Entwarnung: Romeo hat sich in der Nähe einen Holzhaufen als Unterschlupf gesucht für seinen kurzzeitigen Auszug von Zuhause! Er ist wohlauf, nur verdammt hungrig! Vielen lieben Dank an alle, die Ausschau gehalten haben, an alle Daumendrücker und alle, die die Suchmeldung geteilt haben!
Seit gestern, also dem 04.04.2013 ist unser Romeo verschwunden! Ich würde mich sehr freuen und wäre euch unendlich dankbar, wenn ihr das Bild möglichst verbreiten helfen würdet, damit er vielleicht von irgendwem aufgelesen werden kann und zu uns zurück kann.

Entlaufen ist er in 65623 Hahnstätten. Er ist braun getigert, ziemlich groß und kräftig, hat eine schwarze Unterlippe, ist im Ohr tätowiert und hat einen gekürzten Schwanz nach einer Verletzung.

Romeo ist kein Freigänger und kennt sich somit leider null draußen aus. Er hat eine sehr laute Stimme und schreit eigentlich laut, wenn er was will, ich schätze aber, dass er draußen nun doch eher ängstlich sein wird.

Falls ihn jemand gesehen hat, bitte dringend eine Info an mich! Vielen Dank!

11.02.2013

Lieber Herr Wagner...

...glauben Sie den gedanklich dünnflüssigen Stuhl eigentlich selbst, den Sie in einer offenen Ansprache in der BILD an Samuel Koch von sich gegeben haben?

Ich denke, der junge Mann an sich ist nicht groß erklärungswürdig, denn dass er es durch "Wetten dass..." in diesem Maße zu einem ungewollten Bekanntheitsgrad geschafft hat, ging schließlich lange genug durch die Presse, die seinen Unfall bis ins kleinste Detail ausgeschlachtet hat und ihn dabei hat ausbluten lassen wie ein geschächtetes Schaf.

Als ich sein Buch Zwei Leben gelesen habe, schwankte ich zwischen lautem Lachen bei lustigen Anekdoten und einer Menge Tränen der Rührung, ob seiner gnadenlos ehrlichen Worte, die dennoch so viel Lebensfreue aufzeigten.

Letzte Buchmesse in Frankfurt habe ich ihn dann kurz persönlich getroffen und ich habe selbstverständlich vollsten Respekt vor ihm, wie vor allen anderen Menschen auch, die schwere Schläge hinnehmen mussten und müssen. Es gibt nämlich zahllose weitere Menschen, denen es ähnlich geht und die von keiner Seite dieses Gehör bekommen und das "nur", weil nicht halb Deutschland an deren Unfall teilhaben durfte/musste.

Und wer sagt eigentlich, dass Samuel Koch diese Art der Aufmerksamkeit überhaupt möchte? Er wird auch so wissen, dass er immer im Fokus steht, wo er auch aufkreuzt und er erkannt wird.

Über diese Punkte hinaus aber, finde ich den Brief von Ihnen, Franz Josef Wagner, Ihres Zeichens Schreiberling bei der BILD, absolut zum kotzen. Warum bitte muss man explizit auf darauf hinweisen, was er alles nicht konnte auf der Berlinale Party? Vielleicht wollte er einfach nur Spaß haben mit seinen Freunden - wie jeder andere auch, egal ob mit oder ohne körperliche Einschränkungen...

Herzlichst,
Aleksandrah



26.01.2013

Ein #Aufschrei geht durch die Netzwelt

In den letzten Tagen kam man kaum an der Geschichte um Herrn Brüderle vorbei, der während eines Interviews mit einer Journalistin Züge an den Tag gelegt haben soll, die man so von ihm sicher nicht erwartet hätte. 'Sexistisch' las man daraufhin häufiger. Den Artikel dazu habe ich gelesen und mir meinen Teil dazu gedacht, es aber nicht großartig kommentiert.

Wer ein wenig aufmerksam ist, wird danach vielleicht auch mitbekommen haben, dass beim Microblogging-Dienst Twitter der Hashtag #Aufschrei hohe Wellen geschlagen hat. Jeder kann dort unter diesem Schlagwort seine eigenen Erfahrungen in 140 Zeichen packen, in welcher Situation man selbst einmal Sexismus erlebt hat.

Der @Tagesspiegel_de hat einen meiner Tweets dazu herausgepickt, der meine Meinung zu dem Thema am besten widerspiegelte: "Vor Sexismus jeglicher Art muss jeder geschützt werden, egal ob Mädchen, Junge, Frau oder Mann...". Dieser fand sich im Artikel 'Aufschrei: Sexismusdebatte im Netz' der Online Ausgabe wieder.




Es geht hier aber schon gar nicht mehr um den eigentlichen Stein des Anstoßes, nämlich die Anzüglichkeiten vom FDP-Mann Brüderle, sondern bereits um viel mehr. Tagtäglich erleben wir Sexismus im Alltag. Angefangen im Büro bis hin im eigenen Zuhause, wenn einer den Respekt  vor dem anderen verliert und Grenzen überschreitet.

Mir kamen beim Lesen der vielen Erfahrungen anderer auch Erinnerungen hoch, die ich lieber verdrängt habe. Da sind Dinge dabei wie z.B., dass der Vater einer Schulfreundin damals mir seine Hand beim Autofahren auf den Oberschenkel gelegt hat, ich mich furchtbar unwohl gefühlt und das auch kundgetan habe, er es aber nicht gelassen hat und es mit einem abfälligen "Weiber" abgetan hat oder der onanierende Mann im Tunnel, der mir mit 9 Jahren auf dem Nachhauseweg von der Schule aufgelauert hat.

Was ich in jedem Fall wichtig finde ist die Tatsache, dass natürlich nicht nur Frauen Sexismus unterlegen sind sondern natürlich auch Männer. Vielleicht ist ein Aufschrei unter dem vermeintlich starken Geschlecht sogar noch ein wenig schwieriger, da unangenehme Situationen zwischen Männern und Frauen, bei denen Frauen diese arg bedrängen (sei es verbal oder körperlich), vermutlich seltener vorkommen als umgekehrt.

Ich selbst versuche meinen Sohn zu Selbstbewusstsein aufzurufen und ihn dahingehend zu erziehen, dass er lernt, NEIN zu sagen, wenn er etwas nicht will. Und damit meine ich jetzt nicht die antiautoritäre Fraktion, die darunter vielleicht verstehen mag, dass das Kind keine Lust auf Hausaufgaben hat oder machen kann, was es will, sondern wirklich in der Richtung "Das große und das kleine NEIN". Und diese Linie kann man für Mädchen sowie auch Jungs ziehen. Wer 
von klein auf mit Respekt und Würde behandelt wird, kann diese Werte nicht nur für sich selbst ins Erwachsenwerden mitnehmen sondern auch auf andere projizieren. 

Hinzu kommt für mich noch, dass Männer es nicht weniger schwer haben als Frauen im Berufsleben. Wie viele Erzieher gibt es in Kindergärten und männliche Grundschulpädagogen oder gar Hebammen (existiert überhaupt ein ähnliches Wort dafür? Geburtshelfer?) gibt es? Sollte ein Mann Spaß am Umgang mit Kindern haben und mit ihnen arbeiten wollen, sind die Augenbrauen vieler Eltern doch bereits automatisch hochgezogen und es entsteht leicht ein Generalverdacht, dass andere Interessen im Vordergrund stehen.

Ich könnte dies alles noch ins Unendliche ausweiten. Gerade jetzt, wo so viele Menschen sich Gedanken um dieses Thema machen, kann man es eventuell sensibler angehen und mehr auf sich und seine Mitmenschen achten und deren persönliche Grenzen respektieren.

23.01.2013

Mitleids-Likes und fragwürdige Wetten bei Facebook

Zu jedem schönen Anlass vergibt der Otto-Normal-Facebooker gerne mal ein "Gefällt mir". Alles völlig normal und im Rahmen soweit. Bei unschönen Dingen wäre ein "Gefällt mir nicht"-Button die Lösung schlechthin, aber den gibt es nun einmal nicht. Weiß der Geier, warum es von Facebook Seite her nicht gemacht wird (vermutlich, um die Werbekunden nicht zu vertreiben).

Bereits als Dirk Bach verstarb, habe ich mich über Seiten wie die der BILD und anderen Medien aufgeregt, die damals die Like-Funktion in eine "Ich drücke meine Anteilnehme mit einem 'Gefällt mir' Klick aus" umfunktioniert hatte. Vom Grundgedanken her vielleicht eine nette Idee, aber im Hinterkopf hatte man vermutlich eher die Like-Hascherei, um eine möglichst große Reichweite zu erhalten. 

Vor einigen Tagen machte dann ein Bild von den 5 Cordell Kindern die Runde, die ein Plakat in die Höhe hielten, dass sie einen Hundewelpen von den Eltern bekommen, wenn sie 1.000.000 Likes bekommen, die sie auch recht schnell zusammen hatten. Ich muss sagen, ich fand die Aktion da auch noch recht amüsant, weil ich so was vorher zumindest noch nicht zu Gesicht bekommen hatte und die Idee der Kinder witzig fand. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass man mit Tieren keine Spielchen betreibt.
Als ich vorhin bei Regiondo reinschaute, lachten mich diese freundlichen Gesichter (vermutlich die Azubis) an, die für 100.000 Likes eine Büro-Katze vom Chef einfordern wollten. Nach zahlreicher Kritik haben sie nun doch eingelenkt und das Katzenthema offiziell ad acta gelegt. Bei mir bleibt nun trotzdem in Verbindung mit dem Namen ein negativer Beigeschmack, weil ich dieses Fishing for Likes auf dem Rücken anderer nicht ausstehen kann, egal ob ein besonders schreckliches Bild oder Video geteilt und gelikt wird oder eben wie in dieser Aktion, eine ganze Firma dazu auffordert, Mitleid zu haben, weil der Chef/Vater/Vorgesetzte/Opa/Oma/was auch immer so böse sind und man keinen Spaß mehr gegönnt bekommt ohne diese fürchterlich vielen Likes. Lasst es doch einfach sein!

UPDATE: 
- Pixum hat nun Rosenmontag allen Mitarbeitern frei zu geben dank über 100.000 Likes.

- Das t3n Magazin verspricht bei 1000 Shares hoch und heilig, solchen peinlichen Like-Postings niemals nicht zu machen.
- Wer weiss was hat sich angeblich von Pixum inspirieren lassen, um an Rosenmontag ebenfalls frei zu bekommen.
- Die Ludwig Reuter Company spendet hingegen 3 Cent pro Like an die Kinderkrebshilfe (Aktion wurde vorzeitig abgebrochen und 1000 Euro gespendet)
- checkrobin möchte bei 5000 Likes 50 Kuchen für Menschen und Organisationen im Alltag backen
- Fotobuch-Anbieter.com spendet für jeden Like 5 Cent an das Kinderhospiz Königskinder in Münster (die Aktion scheint immerhin durchdacht zu sein)
- Bolzen möchte einen Leverkusener in die Nationalmannschaft einschleusen (natürlich nur ein Fake)
- Bei 1000 Likes hört seine Freundin auf zu rauchen (inzwischen bei ca. 95.000 Likes)
- Stefan Gödde als Darth Vader Moderator bei Galileo
- Chefredakteurin für einen Tag bei der WAZ


Wer weitere Aktionen dieser Art findet, immer her damit (am besten in den Kommentaren)!
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